Stellungnahme zu den Geschehnissen Rund um das Heimspiel gegen den TSV Havelse vom 09.08.2014

Bisher 4 Mal trat der Goslarer SC seit der Gründung unserer Gruppe im Herbst 2012 gegen den TSV Havelse an. Jede dieser Partien blieb bei uns unschön im Gedächtnis.

klhgöuft

Beim Heimspiel am 1.Mai 2013 kam es seitens des Havelser Anhanges zu homophoben und sexistischen Beleidigungen gegen uns. Weiterhin wurden mehrmals an diesem Tag „Ha ha Antifa“-Rufe angestimmt. Im November 2013 folgte dann das nächste Aufeinandertreffen beider Mannschaften im Osterfeldstadion. Die Havelser „Ultras“&Fans wurden an diesem Tag vom Ordnungsdienst direkt am oberen Eingang unseres Blocks langgeschickt. Hierbei kam es zu verbalen und versuchten körperlichen Auseinandersetzungen. Während dieses Vorfalls kam es mehrfach zu rassistischen, antisemitischen und homophoben Beleidigungen seitens der Havelser*Innen. Nach dem Spiel zogen die Gäste aus Garbsen dann unter „Wo ist denn die Antifa?“ und „Wir kriegen euch alle“- Rufen durch die Goslarer Innenstadt zum Bahnhof. Wohlgemerkt ohne jegliche Polizeibegleitung. Am Bahnhof angekommen kam es dann zu körperlicher Auseinandersetzungen der Havelser mit unbeteiligten Passant*Innen sowie mittlerweile eingetroffenen Polizeikräften. Beim Rückspiel im Garbsener Stadtteil zeigten sich die Vereinsoffziellen des TSV Havelse von ihrer „unpolitischen“ Seite: Unserer Gruppe wurden bei Betreten des Stadions ein Spruchband mit der Aufschrift „Ihr seid ja keine Nazis, aber…?“ abgenommen. Die Begründung hierzu lautet, dass im Stadion keinerlei politische Äußerung erwünscht seien. Auf eine Antwort darauf, warum trotz angeblich generellem „Politikverbot“ über dem Havelser Fanblock eine weithin sichtbare CDU-Werbebande hängt, warten wir bis zum heutigen Tage. Auch die Havelser Fangruppen „glänzten“ an diesem Tage wieder einmal. Beinahe geschlossen waren sie in Frei.Wild und Böhse Onkelz Shirts gekleidet. Die traurigerweise zur Gewohnheit gewordenen sexistischen und homophoben Beleidigungen blieben leider auch an diesem Tage nicht aus.

Am 9.8.2014, dem zweiten Spieltag der Regionalliga Nord, kam es dann zum ersten Aufeinandertreffen der Mannschaften in dieser Saison, diesmal wieder im Harzer Vorland. Die Havelser Fanszene war mit 6 Personen angreist und ließ sich direkt ab dem Bahnhofskiosk von der Polizei eskortieren. Im Stadion angekommen, wurden sie seitens des Ordnungsdienstes hinter das Tor in den Block K verfrachtet, wo sie direkt nach Eintreffen in alter Manier wieder in Richtung unseres Blocks pöbelten und provozierten. Hierbei kam es neben sexistischen Beleidigungen auch mehrfach zum zeigen des Hitlergrußes. Die Polizei, welche wenige Meter von diesem Geschehnis entfernt stand, hielt es anscheinend nicht für nötig, hierbei einzugreifen. In der Halbzeitpause hielten sich einige Goslarer*Innen sowie Freund*Innen aus anderen Szenen, die uns an diesem Tage unterstützten, in der Nähe des Blöcke J/K auf. Die 6 Havelser provozierten hierbei, hinter Polizist*Innen und Ordner*Innen stehend unteranderem mit dem Spruch „Kommt doch her ihr Fotzen, traut euch“. Daraufhin sammelten sich ca 20 Personen aus unserem Block vor Block K am Ende der Haupttribüne, zum großen Teil aus Neugier, da die Situation auf der anderen Seite des Stadions vom Block F aus nicht einsehbar war. Die Situation entspannte sich nach einem verbalen Scharmützel schnell und ein Großteil unserer Gruppe und Freunde wollte gerade den Rücktritt in den F-Block antreten, als die Polizist*Innen begannen, Leute auf den Treppenstufen von hinten zu schubsen und zu beleidigen. Wir zogen uns daraufhin in unseren Block zurück. Nach dem Spiel verweilten wir mit unseren Freunden für kurze Zeit vor dem Vereinsheim, wie wir es nach den meisten der Heimspiele tun. Kurz darauf fuhren 2 Polizeiwagen, begleitet von mehreren Ordner*Innen und weiteren Polizist*Innen, den Zufahrtsweg vom Stadion zum Vereinsheim entlang, auf die Menge unserer Gruppe&Freunde zu. In den Polizeifahrzeugen befanden sich die 6 Havelser*Innen. 3 Leute aus unserer Menge vor dem Vereinsheim wichen den vorfahrenden Polizeifahrzeugen nicht direkt aus, worauf hin sie von den begleitenden Polizist*Innen unverhältnismäßig stark bei Seite geschubst wurden. Daraufhin bildete sich ein kleiner Pulk und es kam zu einer rein verbalen Auseinandersetzung. Die Situation und Stimmung wurde zu diesem Zeitpunkt von allen Seiten zunehmend aggressiver. Als jedoch Eine*r der sich in den Wagen sitzenden Havelser*Innen die Autotür gezielt aufriss und dabei in Richtung eines umstehenden Menschen schleuderte, eskalierte die Lage. Der Fahrer des Polizeiwagens stürmte mit erhobener Faust in die Mitte des Pulks, wobei es aus Selbstschutz zu körperlichen Auseinandersetzungen kam. Andere Menschen, die den von diesem Übergriff getroffenen Personen zur Hilfe eilen wollten, wurden bei Seite geschubst und mit gezogenem Pfefferspray bedroht. Mehrere Personen wurden im weiteren Verlauf von den eingesetzten Polizist*Innen beleidigt. Unter anderem rief der Polizist der zuvor auf den Pulk losgegangen war wutenbrannt den Namen eines unserer Gruppenmitglieder mit dem Zusatz „dich krieg ich auch noch!“.
Kurz darauf beruhigte sich die Lage und wir machten uns in Richtung Bahnhof auf, um die angereisten Freund*Innen zu ihren Zügen zu bringen. Am Bahnhof angekommen, wurde unsere Gruppe von Zivilpolizisten abfotografiert. Die Fotos wurde auch nach mehrfachen Aufforderungen nicht gelöscht. Als sich unsere Gruppe und die verbliebenen Freund*Innen wieder Richtung Innenstadt begeben wollten, begann die Polizei mit mehreren Einsatzwagen sowie Zivilbeamten „Jagd“ auf uns zu machen. Bilanz dieses komplett unverhältnismäßigen Einsatzes waren insgesamt 5 kontrollierte Personen denen mitgeteilt wurde das gegen sie wegen Landfriedensbruch sowie gegen Unbekannt wegen Körperverletzung ermittelt wird und ihnen voraussichtlich ein bundesweites Stadionverbot erteilt werden soll.

Am darauffolgenden Montag berichtete die Goslarsche Zeitung auf der Titelseite, sowie in einem halbseitigen Artikel im Sportteil vom „Sündenfall“. Berichtet wurde von 6 harmlosen Havelser*Innen, die um ihr leibliches Wohl fürchten und von Polizisten eskortiert werden mussten. Weder die Hitlergrüße seitens der Havelser*Innen, noch die persönlichen Beleidigungen und die überzogene & unverhältnismäßige Härte der eingesetzten Polizeibeamt*Innen gegen uns und unserer Freund*Innen fanden in diesem Artikel Erwähnung. Seitens der Gosepirats, welche bei Heimspielen im Osterfeldstadion mit uns im Block F stehen, folgte eine Distanzierung auf ihrem Blog von uns und indirekte Solidarisierung mit den Havelser*Innen unter dem Titel „So ein Scheiß wollen wir nicht !“ [ http://gosepirats.de/ ]. Auch hier fanden das Verhalten der Havelser*Innen und Polizist*Innen keine Erwähnung, viel mehr noch wurde es relativiert. Dieser Blogeintrag wurde nach einigen Tagen übrigens auf der Facebookseite „La Familia Havelse“ geteilt. Weiterhin distanzierten sich unteranderem unser Fanbeauftragter Axel B., Mitglied der Gosepirats, in der GZ von uns.

Am darauf folgenden Mittwochabend vor dem Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück wurden im Beisein der Polizei 5 unserer Gruppenmitglieder handgeschriebene Hausverbote für die „Sparkassen Arena“ ausgehändigt. Andauern sollen diese Hausverbote bis zum „Ende der polizeilichen Ermittlungen“. Auffällig ist hierbei, dass 2 dieser Hausverbote gegen Personen ausgestellt wurden, deren Personalien am Spieltag gegen Havelse nicht kontrolliert wurden. Einer dieser Personen befand sich zum Zeitpunkt der Vorfälle am Vereinsheim gar nicht vor Ort. Auch die 3 restlichen Gruppenmitglieder verstießen am 09.08. weder gegen die Stadionordnung des Goslarer SC, noch gegen das Gesetz. Somit sind diese Hausverbote gänzlich willkürlich und wurden nur ausgestellt, um ein Exempel zu statuieren. Weder vor Ausstellung dieser Hausverbote, noch danach wurde mit uns über die Geschehnisse gesprochen oder nach unserer Sicht der Dinge gefragt, sei es seitens der Vereinsführung, des Fanbeauftragten oder der Goslarschen Zeitung.
Resultierend aus den oben genannten Vorfällen, den Hausverboten sowie dem Verhalten einiger Personen und Gruppen aus dem Block F gegen uns, werden wir auf unbestimmte Zeit nicht als Gruppe bei den Spielen unserer Regionalligamannschaft auftreten. Dies ist keine Resignation! Vielmehr denken wir, dass wir für uns als Gruppe eine gewisse Zeit zum Verdauen der Vorfälle und den erfahrenen Repressionen brauchen. Weiterhin sehen wir uns unter den momentanen Bedingungen nicht in der Lage organisierten Support zu leisten, da von den Hausverboten unter anderem für den Support wichtige Personen, wie unser Trommler betroffen sind. Wir wünschen auf diesem Wege unser Regionalligamannschaft die nötige Kraft, um die nächsten Spiele zu überstehen und zu alter Stärke zurückzufinden – Jungs, ihr seid nie allein ! Weiterhin möchten wir uns hier bei allen Freund*Innen bedanken, die uns am Spieltag begleitet und unterstützt haben ! Auch bedanken möchten wir uns bei Allen, die uns bereits ihre Solidarität ausgesprochen haben und an unserer Seite stehen!

Unsere Solidarität gegen ihre Repression!
Siamo tutti antifascisti!
Diffidati con noi!

Alle nach Havelse!

Ein letztes mal alles geben vor der Sommerpause!
Gemeinsam mit dem Zug nach Havelse!

Treffpunkt:   9:45 Goslar Bhf

TSV Merda!

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GSC vs. Werder II

Zuschauer:   800
Ergebnis:     1:3 (0:2)
Gästefans:   ca. 150, sporadischer Support

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Ein paar Worte zur momentanen Situation

Vielen Zuschauer_Innen mag es vielleicht aufgefallen sein, dass wir als Gruppe seit einigen Spieltagen nicht mehr organisiert im Stadion, sowohl heim als auch auswärts, vertreten sind und supporten. Die Gründe hierfür liegen an gruppeninternen Meinungsdiskursen. Wir können für die restlichen Spieltage keine Prognosen bezüglich unseres Auftretens stellen. Wir werden versuchen, die vorhandene Situation so schnell wie möglich zu klären und eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden.

– Upperclass Goslar, April 2014

Rechte Ordner_innen beim GSC – Schilderung der aktuellen Situation

Bei den vergangenen Spielen unseres Goslarer SC am heimischen Osterfeldstadion fanden sich unter dem anwesenden Ordnungspersonal bedauerlicherweise mehrere Personen aus der lokalen Neonazi-Szene. Jene Personen machen aus ihrer nationalistischen Gesinnung keinen Hehl, posen im Internet unter anderem mit Reichskriegsflaggen, liken bei Facebook rechtsradikale Bands und Liedermacher wie „Faustrecht“, „Annett Müller“, „Michael Regener“ sowie einschlägige rechte Onlineshops. Auch im Stadion selbst stellen sie ihre menschenverachtende Ideologie in Form von „Good Night Left Side“ Pullis sowie Klamotten der rechten Modemarke „Thor Steinar“ offen zur Schau, wie zuletzt beim Spiel gegen die Amateure des HSV.
Nach eben jenem Spiel hielten sich besagte Personen nach Abpfiff noch einige Zeit am und im Vereinsheim am Osterfeld auf, wo sie von couragierten GSC-Fans aufgefordert wurden, das Gelände zu verlassen oder die genannten Szeneklamotten auszuziehen. Daraufhin wurden einige unserer Gruppenmitglieder sexistisch beleidigt und ihnen Schläge angedroht. Kurze Zeit später verließen die Ordner_innen das Vereinsheim.
Da solche Zustände für uns unhaltbar sind und ein solches Auftreten des Ordnungspersonals den gesamten Verein in ein schlechtes Licht rückt, suchten wir nach diesem Vorfall umgehend das Gespräch mit den Vereinsoffiziellen, welche uns zusicherten, dass sie sich um die Angelegenheit kümmern würden.
Beim darauf folgenden Heimspiel wurden jene Personen wieder als Ordner_innen eingesetzt, worauf wir beim Spiel in St. Pauli mit einem Spruchband reagierten, welches uns gegenüber später von einem Vereinsoffiziellen mit dem Spruch „Wir sind doch alle Faschisten“ kommentiert wurde. Erneut suchten wir das Gespräch mit dem Verein, bekamen allerdings lediglich zu hören, dass es sich bei den besagten Ordner_innen ja gar nicht um Rechte handeln würde.
Da wir uns in dieser gesamten Situation seitens des Vereins nicht ernst genommen fühlten, beschlossen wir beim Heimspiel gegen den SV Meppen durch einen Stimmungsboykott und ein entsprechendes Spruchband am Zaun auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Bereits beim Aufhängen des Spruchbands kam eine der genannten Ordner_innen wutentbrannt auf uns zu und forderte das sofortige Entfernen des Spruchbandes. Dieser Aufforderung kamen wir allerdings nicht nach, da wir es für unser legitimes Recht halten, akute Missstände im Verein publik zu machen. Darauf hin kamen fünf weitere Ordner_innen um das Spruchband zu entfernen. Als wir versuchten das Gespräch zu suchen und nach einer Begründung zu fragen, wurden wir sofort bedrängt und geschubst. Unter der Androhung von Stadionverboten, sowie Beleidigungen, wurde die Tapete heruntergerissen und in den nächsten Mülleimer verfrachtet. Hierbei fiel unter anderem der Satz: „So ´nen politischer Mist kommt runter. Sowas zeigt ja wie krank ihr im Kopf seid“.
Nach diesem Vorfall verliessen wir den Block F und verfolgten das Spiel noch bis zur Halbzeit aus Block B und verließen schließlich ganz das Stadion.

Wir fordern die Verantwortlichen des Vereins nochmals eindringlich auf, endlich zur genannten Ordner-Problematik Stellung zu beziehen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen, anstatt uns in unserem antirassistischen Engagement zu behindern und die Vorfälle herunter zu spielen.
Neo-Nazis und rechtsradikales Gedankengut haben weder beim Ordnungsdienst, noch im Verein, der Mannschaft, der Fanszene oder sonst wo im Fußball etwas verloren!

Love Null Acht – Hate Fascism.
Upperclass Goslar,
April 2014